Sag niemals nie
Diese Sportlerinnen und Sportler beweisen, wie die innere Einstellung auch widrigste Umstände bezwingt
Heftiger kalter Regen fegt über das Freibad im Coral Springs Aquatic Complex im US-Bundesstaat Florida und lässt die Zuschauer unter einem Vordach Schutz suchen. Im Becken schwimmt Dara Torres – Zug um Zug, systematisch, Wende um Wende zieht sie in kraftvollem Freistil ihre Bahn. Als die Bademeister alle Schwimmer aus dem Becken rufen, reagiert sie nicht und lässt sich selbst vom aufkommenden Sturm nicht stören.
Mit 41 Jahren fast doppelt so alt wie die meisten Weltklasse-Athleten, trotzt Torres in dem Bemühen, die erste über 40-jährige Schwimmerin zu sein, die bei Olympischen Spielen antritt, mehr als nur dem Wetter.
Manche meiner Mitbewerberinnen sagen, ich sei zu alt“, berichtet Torres, die bei Olympischen Spielen bereits vier Goldmedaillen gewann und Mutter einer zweijährigen Tochter ist. „Andere sollen gesagt haben: ‚Ich weiß nicht, warum sie noch schwimmt. Sie sollte zu Hause bleiben und sich um ihr Kind kümmern.‘ Wo ist das Problem, solange ich genauso schnell schwimme wie sie?“
Tatsächlich ist sie sogar schneller. Sie setzte sich in ihrer Disziplin, dem 50 Meter Freistil, nicht nur gegen ihre jüngeren US-Konkurrentinnen durch, sondern holte in Peking sogar die Silbermedaille.
„Träume sollten altersunabhängig sein“, sagt sie. „Die Menschen sollten es versuchen, statt zu sagen: ‚Ich kann das nicht, weil ich zu alt bin.‘“
Donald Arthur zählt die Marathons auf, die er in den vergangenen zwölf Jahren lief: New York (zehnmal), Los Angeles, Alaska – insgesamt sind es 27. Er will den kräftezehrenden Lauf über 42,2 Kilometer in jedem der 50 US-Bundesstaaten schaffen. Es fehlen noch 34. Dabei ist es noch nicht lange her, da konnte Arthur kaum essen, ohne zu ermüden. „Um einmal um den Block zu laufen, brauchte ich mehr als eine Stunde“, sagt der 63-jährige pensionierte Buchhalter, der in der New Yorker Bronx lebt. Den Tod vor Augen durch die sogenannte dilatierte Kardiomyopathie, ein durch jahrzehntelangen Alkohol- und Zigarettenkonsum geschädigtes Herz, blieb nur eine Wahl: Transplantation.
Er erinnert sich genau an den 2. August 1996, als er um 18.10 Uhr den Anruf bekam, dass ein Spenderherz zur Verfügung stehe. Ein 25-jähriger Mann namens Fitzgerald Gittens war durch eine – für einen anderen vorgesehene – Kugel gestorben. Nach fünf Stunden im Operationssaal hatte Arthur ein neues Herz. Schon bald konnte er Treppen steigen, ohne zu ermüden. Das war aber nur der Anfang. Ein Mitpatient erzählte ihm vom Achillesfersen-Klub, der Menschen mit Behinderungen dabei hilft, Marathons zu laufen. Arthur nahm Kontakt mit dem Präsidenten des Klubs auf, der ihm bestätigte, auch er könne einen Marathon schaffen, wenn er nur genug trainiere.
„Ich dachte, er sei verrückt, aber als ich den Klub besuchte, sah ich Blinde und Menschen im Rollstuhl“, sagt Arthur. „Ich war fasziniert – total fasziniert – von der Lebenseinstellung dieser Menschen.“ Der Klub, sagt er, „ließ mich wieder an mich selbst glauben“. 15 Monate nach der Transplantation lief er seinen ersten Marathon.
Im Vorfeld der Olympischen Winterspiele trug Arthur 2001 die olympische Fackel. Sein eindrucksvollster Lauf war aber der New-York-Marathon 1999, bei dem er von Mack Andrews begleitet wurde, dem Bruder des Organspenders. „Als wir es geschafft hatten, legte ich Macks Hand auf mein Herz“, erzählt Arthur, „und sagte ihm, dass sein Bruder weiterlebt.“
In der siebten Klasse träumte Brittany Blythe davon, Cheerleaderin zu werden. Die Trainer ihrer Schule waren alles andere als begeistert. „Sie sagten, sie wüssten nicht, wie ich das anstellen wolle“, erinnert sie sich. „,Du bekommst die Figuren nicht hin.‘“
Aber Brittany, heute Schülerin an der Strath Haven High School bei Philadelphia, ließ nicht locker. Und als die Junior-Cheerleader letztes Jahr ein Turnier gewannen, war sie dabei, tanzte und jubelte mit der übrigen Truppe.
Nicht schlecht für ein Mädchen, dessen Beine unterhalb der Knie amputiert wurden, als sie zwei Jahre alt war.
Die heute 18-jährige Brittany wurde ohne Schienbeinknochen geboren – „nur Blut und Muskelgewebe“, wirft sie ein. Wenn sie zu laufen versuchte, gaben die Beine unter ihr nach. Nach der Amputation lernte sie rasch. „Vom ersten Tag an sprang ich auf und wollte alles machen“, sagt sie. Beinprothesen ermöglichten ihr, aufrecht zu gehen. Aber sie konnte mit ihren Freunden nicht Schritt halten. Brittanys Lösung: die Prothesen abnehmen und auf den Knien laufen – was sie noch heute manchmal tut.
Über die Jahre hinweg machten sich viele Kinder lustig über sie, aber sie sagt, die Herausforderung habe sie nur noch stärker gemacht. Jetzt wünscht sie sich von ihren Trainern, die Prothesen ablegen zu dürfen und Fliegerin zu werden, also die Cheerleaderin, die von ihren Teamkolleginnen in die Luft geworfen und aufgefangen wird.
Brittany Blythe glaubt, sie habe nicht mehr Probleme als andere. „Meine Behinderung war das Erste, womit ich klarkommen musste, und das bereitete mich für alles Weitere vor“, sagt sie.
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