Auf eine registrierte Hexe in Rumänien kommen 4000, die Steuerfrei zaubern.

Niemand zahlt gern Steuern. Und die meisten Menschen teilen vermutlich die Ansicht, dass große Unternehmen ihre Steuern besonders erfolgreich minimieren. Firmenanwälte und Bilanzbuchhalter haben die Kunst des Ausnutzens von Schlupflöchern im Labyrinth der Steuersysteme perfektioniert. Vielleicht hören wir es ja deshalb ganz gern, dass auch andere Bürger Steuererleichterungen erlangen. So entschied zum Beispiel im Dezember 2006 ein norwegisches Berufungsgericht, dass Striptease eine Kunstform und damit von der Mehrwertsteuer (der dortigen GST) befreit ist. Die Besitzer der Diamond Go-Go Bar in Oslo hatten sich geweigert, die 25-prozentige Steuer auf ihre Eintrittspreise zu zahlen. Ihre Begründung: Stripteasetänzerinnen seien – ebenso wie Komiker oder Schwertschlucker – Bühnenkünstler, und ihnen gebühre deshalb derselbe Status.
Diese Neuigkeit gelangte schnell ins niederländische Amsterdam, wo ein Richter dem Urteil voll und ganz zustimmte. Er entschied, dass Peepshows, bei denen man von Kabinen aus Mitarbeiterinnen des sexuellen Gewerbes beim Striptease und anderen sexuellen Darstellungen zuschauen kann (was wohl auch Richter dürfen, so sie es wünschen), als Theateraufführung anzusehen sind. Den Clubeignern stehen somit Steuervergünstigungen zu. „Der Zutritt eines Kunden zu einer Peepshow ist gleichbedeutend mit dem Zutritt zu einer Theateraufführung“, heißt es in dem Entscheid. „Der erotische Charakter der Vorführung ändert daran nichts.“


Künstlerische Vorstellungen einer ganz anderen Art machten sich im vorletzten Jahr die Steuerbehörden in Indien zunutze. Die Regierung des Bundesstaats Bihar, offenbar in einem finanziellen Engpass, entschloss sich, überfällige Steuern in Höhe von 8500 Euro durch Gruppen von singenden Eunuchen in bunten Saris eintreiben zu lassen, die sich vor den Häusern der säumigen Zahler niederließen. Den von vielen gefürchteten Eunuchen zahlte man eine 4-prozentige Provision auf alle von ihnen eingetriebenen Gelder. Sie veranstalteten Sitzstreiks und trommelten vor den Türen der widerstrebenden Steuerzahler. Innerhalb von nur 48 Stunden erzielten sie außergewöhnliche Erfolge. Recht seltsame Steuerprobleme hat Rumänien. Auf jede offiziell gemeldete Hexe in dem Land – es ist genau eine – kommen rund 4000, die ihre Zaubersprüche steuerfrei verteilen und so den Fiskus Millionen kosten. Zauberdienstleistungen umfassen Sternenguckerei, Wahrsagerei und Gespräche mit Verstorbenen – alles ein großes Geschäft in Rumänien. Das gleiche gilt für Vampirismus, Zaubersprüche, Flüche und Verwünschungen; selbst Firmen nehmen die Dienste der Expertinnen in Anspruch. Trotzdem stellte bis 2006 nur die Hexe Gabriela Ciucur Quittungen aus und kam ihren offiziellen Steuerverpflichtungen nach. Sie hat bis zu sie ben Kunden am Tag und berechnet knapp zehn Euro pro Sitzung. Daraufhin befragten die Behörden ihre Kristallkugeln, um sich über das Einkommen anderer Hexen schlau zu machen.
Aber die Damen wollen sich nicht durch Amtspersonen vom Besen schubsen lassen. „Warum sollten wir Steuern zahlen, wenn wir nichts vom Staat bekommen?“, fragt Maria Campina, 57, die selbsternannte „Weiße Zauberkönigin“ und Anführerin ortsansässiger Hexen. „Wir tun bereits viel für das Land. Immer wenn ein wichtiges christliches Fest ansteht, führen wir ein Ritual durch, um das Land vor Naturkatastrophen zu schützen. Das sollte doch wohl mehr wert sein als jede Steuereinnahme.“
Viel Fantasie in Sachen Steuerersparnis bewies auch eine Frau aus dem baden-württembergischen Städtchen Möckmühl. Anfang 2007 hatte die Mutter zweier Kinder ein Gewerbe zur „Aufzucht und Pflege von Säugetieren“ angemeldet, auf Anfragen der Genehmigungsbehörde jedoch nicht reagiert. Die daraufhin eingeschaltete Polizei suchte die Frau dann zu Hause auf. Als die Beamten allerdings nicht fündig wurden, gestand die so Heimgesuchte, dass es sich bei den „Säugetieren“ um ihre beiden Kinder handle. Die Gewerbeanmeldung habe sie als eine Möglichkeit der steuerlichen Absetzung von Kosten betrachtet, welche die lieben Kleinen nun mal verursachen. Aus dem angemeldeten „Gewerbe“ wurde zwar nichts, aber ihre Kinder darf die findige Mutter natürlich behalten.
Auf den Philippinen ist die Einkommenssteuer eine Lotterie – im wahrsten Sinne des Wortes. Dort wird nämlich jeder gültige Steuernachweis automatisch zum Lotterieticket. Diese innovative Methode des Steuereintreibens, die man durchaus als „Steuerlotto“ sehen könnte, würde sicher in vielen Ländern Anklang finden. Diejenigen, deren Ticket zu den fünf Gewinnern zählt, werden umgehend zum Millionär. Zwar entspricht eine Million Pesos nur etwa 15 000 Euro, aber in einem Land, in dem die Hälfte der Bevölkerung von rund 1,20 Euro täglich lebt, verschafft sie einem einen enormen Vorsprung. Manche Menschen zeigen allerdings wenig Mitgefühl mit den Armen und machen das Steuersystem für ihre Schwierigkeiten verantwortlich. Einer dieser Kritiker ist der Besitzer eines New Yorker Antiquitätengeschäfts der gehobenen Preisklasse. 2007 verklagte er einen Obdachlosen, der sich den Gehsteig vor dem Laden als Aufenthaltsort ausgesucht hatte, auf eine Million Dollar. Der Ladenbesitzer beschuldigte den Mann, durch „verschiedene Körperfunktionen wie Urinieren und Spucken“ auf einer der weltweit teuersten Einkaufsmeilen die Kunden zu vergraulen. Er behauptete, der Mann versperre die Sicht auf die illustre Schaufensterauslage – zum damaligen Zeitpunkt eine rund 15 000 Euro teure Mahagonisitzbank aus dem 19. Jahrhundert.
Die Verteidiger des Obdachlosen erklärten, ihr Mandant habe wie jedermann das Recht, sich an diesem öffentlichen Ort aufzuhalten. Der Ladenbesitzer dagegen argumentierte: „Ich zahle meine Steuern, und mit einem Teil davon werden ordentliche Unterkünfte finanziert. Der Mann sollte davon Gebrauch machen.“
Falls Ihnen solche Steuerangelegenheiten zu kompliziert sind, könnten Sie sich auch ein eigenes Steuerparadies wie „Sealand“ zulegen – allerdings brauchen Sie dazu einen Hubschrauber oder ein Boot. Ihre Besitzer haben die ehemalige Seefestung aus dem Zweiten Weltkrieg zum unabhängigen Staat deklariert.
Sealand entstand 1942 zehn Kilometer vor der Küste der ostenglischen Grafschaft Suffolk als „Roughs Tower“, eine 550 Quadratmeter große, auf zwei Betontürmen ruhende, mit Waffen versehene Stahlplattform. Angebote in mindestens achtstelliger Höhe werden jetzt für diesen einzigartigen Besitz gern entgegengenommen. Man erhält dafür freie Rundumsicht, absolute Privatsphäre und den beneidenswerten Status der Steuerfreiheit, denn Sealand beansprucht seine eigenen Hoheitsgewässer.
Als der ehemalige britische Armeemajor Paddy Roy Bates das Bauwerk 1967 besetzte, erklärte er Sealand zum Staat in internationalen Gewässern. Sich selbst verlieh er den Fürstentitel. Die Royal Navy versuchte vergeblich, ihn zu vertreiben. Als die Streitkräfte in sein Hoheitsgebiet eindrangen, feuerte Bates Warnschüsse ab. Nachdem 1975 ein Richter zu Bates’ Gunsten entschieden hatte, dass Sealand außerhalb der Regierungsgewalt Großbritanniens liege, führte Fürst Roy eine Verfassung ein, eine Landesflagge, eine Nationalhymne, eine eigene Währung und Pässe – Vorzüge eines privaten Steuerparadieses.
Für uns Normalbürger allerdings gibt es kein Entrinnen. Selbst Teddybären und Hunde können uns an den allgegenwärtigen Fiskus erinnern. Eine Teddybär-Sammlung in der englischen Grafschaft Somerset, zu der auch eine Steiff-Bärendame aus dem Jahr 1909 namens Mabel gehörte – angeblich einst im Besitz von Elvis Presley –, wurde von einem Hund namens Barney bewacht. Eines Tages allerdings drehte Barney durch und fügte einigen Ausstellungsstücken irreparablen Schaden zu. Mabel überlebte die Attacke zwar, verlor aber fast den Kopf. Das verärgerte ihren Besitzer, der sie bei einer Auktion für rund 75 000 Euro ersteigert hatte.
Was das mit Steuern zu tun hat? Barney war ein Dobermann, erstmals als Rasse gezüchtet um 1890 von einem deutschen Steuereintreiber zum persönlichen Schutz vor „Kunden“. Bleibt zu hoffen, dass weder Sie noch Ihr Finanzbeamter Unterstützung dieser Art benötigen.

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1 Kommentare

Horst Brokate on 21 Mai 2010 ,14:23

Bremen den, 21. Mai 2010 Sehr geehrte Damen und und Herren, von Ihnen hätte ich jetzt aber einen genauen Zeitpunkt, wann die Verlosung und die Auszahlung der Gelder zu erwarten ist? Diese Mal möchte ich aber eine gültige Antwort und wenn es geht, Heute noch? Mit freundlichem Gruß Horst Brokate

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